12.07.2022 - Bert Flossbach

Bilanz eines turbulenten Halbjahrs


Bilanz eines turbulenten Halbjahrs

Krieg, Inflation, markante Kursbewegungen – die erste Jahreshälfte war kein Zuckerschlecken. Eine erste Bilanz.

Der globale Aktienindex MSCI World verlor im vergangenen Quartal 16,1 Prozent. Dank des starken US-Dollar reduziert sich das Minus in Euro gerechnet auf 10,8 Prozent. Bemerkenswert war die gleichzeitige Schwäche am Anleihemarkt, hervorgerufen durch den starken Anstieg der Zinsen (beziehungsweise der Renditen).

Damit boten Staatsanleihen – anders als früher – keinen Puffer gegen Verluste bei Aktien, sondern verloren ebenfalls an Wert. Gemessen am „Bloomberg Euro Government Index“ lag das Minus bei 7,2 Prozent. Für ein ausgewogenes Index-Portfolio, das zu jeweils 50 Prozent aus Aktien und Anleihen besteht, bedeutete dies einen Quartalsverlust von 9,0 Prozent.

Das ist eines der schlechtesten Quartale für ein solches Index-Portfolio in der Nachkriegsgeschichte und nur minimal weniger als im ersten Quartal 2020 im Pandemie-Crash.

Notenbanken werden restriktiver

Das zweite Quartal war in vielerlei Hinsicht eine dynamische Fortsetzung des ersten Quartals. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins mit zunehmendem Tempo weiter erhöht (im Juni um 0,75 Prozent in eine Bandbreite von 1,5 bis 1,75 Prozent – der grösste Zinsschritt seit 1994). Die Inflationsraten sind weiter gestiegen, auf 8,6 Prozent in den USA und rekordhohe 8,6 Prozent in der Eurozone.

Das hat auch die Renditen von Staatsanleihen weiter in die Höhe getrieben, bei zehnjährigen Bundesanleihen zeitweilig auf 1,8 Prozent, bei US-Staatsanleihen auf 3,5 Prozent und bei italienischen Staatsanleihen kurzfristig sogar auf mehr als vier Prozent, bevor es zum Quartalsende zu einem Renditerückgang und einer entsprechenden Erholung der Kurse kam.

Korrektur an den Börsen

Der US-Aktienmarkt erreichte im Juni ein Minus von 23,6 Prozent gegenüber seinem Höchststand, womit die Korrektur offiziell als „Bärenmarkt“ bezeichnet werden kann.

Zwei schwache Quartale in Folge bedeuten ein frustrierendes erstes Halbjahr. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat in den ersten sechs Monaten fast 20 Prozent verloren. Für den MSCI World Index war es mit einem Minus von rund 21 Prozent die schwärzeste erste Jahreshälfte in seiner Geschichte, wobei der Verlust in Euro gerechnet aufgrund des starken US-Dollar „nur“ 13,5 Prozent betrug.

Während dem Rückschlag an den Aktienmärkten grosse Aufmerksamkeit zuteilwurde, verlief der Crash am Anleihemarkt fast im Verborgenen. Von Dezember 2021 bis Mitte Juni 2022 verloren Euro-Anleihen guter Bonität rund 16 Prozent (inkl. Zinsertrag; siehe Grafik).

 

Ein solches Minus hat es in der Geschichte des Euro und der D-Mark noch nie gegeben. Früher konnten Kursverluste bei Anleihen zumindest teilweise durch Zinserträge kompensiert werden. Bei Zinsen beziehungsweise Anleiherenditen nahe null, wie wir sie bis Ende vergangenen Jahres hatten, ist dies nicht mehr der Fall. Ein Renditeanstieg bedeutet dann fallende Kurse ohne Zins.

Gold war im zweiten Quartal kein Inflationsgewinner. Der Goldpreis gab die Gewinne der ersten Monate wieder vollständig ab und schloss das erste Halbjahr mit 1.807 US-Dollar je Feinunze. In Euro gerechnet sieht die Bilanz mit einem Halbjahresendstand von 1.724 Euro bzw. einem Plus von gut sieben Prozent seit Jahresanfang erfreulicher aus.

Es gibt Chancen

Während aktienorientierte Anleger, die gelernt haben, Kursschwankungen auszuhalten, mit den Entwicklungen im ersten Halbjahr umgehen können, sind ähnlich hohe Verluste für defensive Investoren eher überraschend und schwerer zu verdauen.

Wer sein Vermögen langfristig erhalten möchte, sollte aber langfristig denken. Aktien haben im ersten Halbjahr deutliche Kursverluste verzeichnet, obwohl die Gewinnperspektiven wachstumsstarker und resilienter Unternehmen weiterhin gut sind. Das Chance-Risiko-Verhältnis von Aktien hat sich dadurch verbessert. Daran würde auch eine mögliche Konjunkturabkühlung nichts ändern.

Aktien von Unternehmen, deren Produkte und Dienste begehrt sind und die über genügend Preissetzungsmacht verfügen, bieten nicht nur Inflationsschutz, sondern langfristig auch ein reales Wertzuwachspotenzial.

Dagegen dient Gold eher dem Vermögenserhalt und bietet eine Zusatzversicherung für den Fall, dass die Notenbanken die Inflation nicht unter Kontrolle bekommen.

Anleihen bieten nur einen unzureichenden Inflationsschutz, solange die Renditen unter der langfristig zu erwartenden Inflation liegen. Bei Unternehmensanleihen mittlerer Bonität gibt es aber erstmals seit langem wieder Renditen, die sogar ausreichen könnten, um die Inflation zu schlagen.

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