17.06.2019 - Bert Flossbach

China: Angst vor den Schattenbanken


China hat sein Wirtschaftswachstum kräftig mit Krediten angekurbelt. Könnten die hohe Verschuldung und die Schattenbanken zum Problem werden?

Immer wieder werden Zweifel an der Nachhaltigkeit des kreditfinanzierten Wachstums laut. Der Finanzsektor mit seinen faulen Unternehmenskrediten und unregulierten Schattenbanken gilt als grösster Gefahrenherd. Der Anteil der als zweifelhaft eingestuften Kredite liegt zwar offiziell nur bei 1,9 Prozent, nach inoffiziellen Schätzungen dürfte es aber ein Mehrfaches sein.

Die Regierung weiss darum und hat deshalb den Anteil von Schattenbankinstrumenten an der Neukreditvergabe inzwischen deutlich von rund 50 Prozent im Jahr 2013 auf weniger als 20 Prozent reduziert.

Die Rückbesinnung auf das klassische Kreditgeschäft der Banken wird zudem erleichtert, indem die Regierung den Kreditinstituten günstigere Finanzierungsbedingungen verschafft hat. So ist der Mindestreservesatz, den die Banken bei der Zentralbank für ihre Kreditvergabe hinterlegen müssen, Anfang des Jahres von 15 auf 14 Prozent gesenkt worden (für kleine Institute von 13 auf 12 Prozent). Historisch lag er zwischen 6 und 21,5 Prozent, was der chinesischen Zentralbank noch Spielraum für weitere Senkungen böte.

Aber: Der Spielraum für eine Fortsetzung des schuldenfinanzierten Aufschwungs ist definitiv kleiner geworden. Wo die Grenzen für China liegen, lässt sich aber nur schwer bestimmen. Nehmen wir Frankreich mit einer Schuldenquote von gut 300 Prozent (99 Prozent Staat, 143 Prozent Unternehmen und 59 Prozent Privathaushalte) als Vergleichsmassstab, gäbe es noch Spielraum.

China dürfte unseres Erachtens noch einige Zeit in der Lage sein, Konjunktureinbrüche mit Ausgabeprogrammen, Steuersenkungen oder verbesserten Finanzierungsbedingungen zu bekämpfen, und hat im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich oder Italien auch den Vorteil, dass die Schulden auf eigene Währung lauten – China kann also im Zweifel “Geld drucken”, um die Schulden zu bedienen.

Was allerdings den Kurs des Renminbi unter Druck brächte und, wie schon 2016, eine Kapitalflucht auslösen könnte. Deshalb lässt sich das schuldenfinanzierte Wachstum nicht dauerhaft fortsetzen.

Mittlerweile sind drei Yuan neue Schulden erforderlich, um einen Yuan Wirtschaftswachstum heraus zu bekommen. Irgendwann könnte das Wachstum zum Erliegen kommen und die über die Jahre angehäuften Schulden zu einem Problem werden. Noch ist es unseres Erachtens nicht so weit. Wir werden die Entwicklung in China aufmerksam verfolgen.

 

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