30.06.2020 - Flossbach von Storch

Darum ist bei Obligationen Buy and hold tot


Darum ist bei Obligationen Buy and hold tot

Der Zins ist auf niedrigstem Niveau zementiert – und wird es bleiben. Ein Gespräch mit Portfolio Manager Frank Lipowski über Covid-19, die Geldpolitik der Notenbanken und Investments in Obligationen .

Die grossen Notenbanken fluten in der Krise die Kapitalmärkte einmal mehr mit Liquidität. Als Folge fallen selbst in den USA die Zinsen in Richtung Nulllinie. Sollten Anleger Obligationen künftig nicht besser links liegen lassen?
Frank Lipowski: Was für eine Antwort erwarten Sie denn von jemandem, der einen Rentenfonds managt? Nein, natürlich nicht! Aber mal im Ernst: Obligationen bleiben ein wichtiger und deshalb fester Bestandteil sehr vieler Portfolios; zumal einige Investorengruppen vom Regulator gezwungen sind, in Rententitel zu investieren, völlig egal, was mit dem Zins ist – ob tief oder hoch. 

Klingt, als käme da noch ein „aber“ …
Kein aber, nur die Feststellung, dass Renteninvestments heute ganz anders funktionieren als noch vor zehn oder besser noch: zwanzig Jahren. Das heisst aber nicht, dass sich nicht auch künftig ordentliche Renditen verdienen lassen am Bondmarkt. Nur muss man akribischer danach suchen.

Inwiefern anders funktionieren?
In der „guten, alten Zeit“ betrug der Kupon von erstklassigen Staatsobligationen noch vier oder gar fünf Prozent. Als Investor haben Sie die Titel gekauft, sich bis zur Fälligkeit zurückgelehnt und jährlich über den Kupon gefreut. Klassisches „Buy and hold“. Doch das ist tot! Heute müssen Sie sehr viel aktiver und damit flexibler sein.

Geht es auch etwas konkreter?
Heute können Sie den Kupon gewöhnlich vergessen. Das Schöne an Obligationen ist aber, dass es mehr als diese eine Ertragsquelle gibt. Die potenziellen Kursgewinne beispielsweise. Der gute Kaufmann schaut, dass er günstig einkauft und dann später teurer wiederverkauft. Es gibt immer wieder Marktphasen und Situationen, in denen einzelne Titel über Gebühr abgestraft werden. Diese Gelegenheiten wollen wir erkennen und dann auch nutzen. Der Vorteil gegenüber Aktien ist zudem, dass Erträge halbwegs planbar sind. Wenn Sie eine Anleihe zu 80 kaufen, dann wissen Sie, dass Sie am Ende der Laufzeit 100 zurückbekommen, vorausgesetzt natürlich, der Emittent geht nicht insolvent.

Sie sprachen von mehreren Ertragsquellen …
Neben den Kursgewinnen spielt das Durationsmanagement eine wichtige Rolle. Auch da ergeben sich Renditepotenziale. Oder über die Währung. Obligationen sind viel mehr als nur der Kupon.

Ist das Gröbste überstanden – oder folgt auf die Rally der nächste, möglicherweise noch heftigere Rücksetzer?
Das kann niemand mit Sicherheit sagen. Die Wahrscheinlichkeit eines noch deutlicheren Rücksetzers ist jedoch deutlich gesunken, nachdem die US Fed signalisiert hat, „all in“ zu gehen. Die anderen grossen Notenbanken werden dem sicherlich nicht nachstehen …

Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt, als der Markt eingebrochen und dann rasant gestiegen ist?
Vielleicht einige Bemerkungen vorab: Unser Anlageansatz ist langfristig ausgerichtet, Volatilität kommt uns also grundsätzlich entgegen. Das Problem ist aber, dass Covid-19, dass der weltweite Lockdown, völlig neu waren. Die Auswirkungen auf ganze Volkswirtschaften, Branchen und einzelne Unternehmen lassen sich vollumfänglich nur sehr schwer abschätzen. Ja, die Kurse waren zeitweise kräftig abgerutscht – aber hiess das denn auch, dass die Anleihe von Unternehmen A oder B wirklich günstig geworden waren? Oder sind sie am Ende doch noch zu teuer, weil der Fortbestand des Unternehmens gefährdet ist. Covid-19 ist ein „Substanzveränderer“, der die Qualität einzelner Anlagen dauerhaft mindern kann. Von daher ging es für uns in dieser Zeit vor allem um Analyse. Zu schauen, wer möglichst gut durch die Krise kommt, wer langfristig möglicherweise zu den Profiteuren gehört. Wir sind Anlage für Anlage durchgegangen. Wieder und wieder. Unsere Analysten haben da einen tollen Job gemacht!

Aber wird es nicht nach vorne blickend immer schwieriger mit Obligationen Geld zu verdienen? Gelegenheiten wie die zuletzt gibt es nicht alle Tage…
Die Frage habe ich auch schon vor einigen Jahren gestellt bekommen. Es gibt die Gelegenheiten immer wieder. Wenn nicht auf Ebene des Gesamtmarktes, dann womöglich bei einzelnen Titeln oder Branchen, die der Markt und die grossen Rating-Agenturen möglicherweise zu Unrecht abstrafen – warum auch immer. Man muss die Gelegenheiten aber als solche erkennen. Die eigene Analyse ist deshalb so unglaublich wichtig. Das gleiche gilt für eine flexible Portfolioausrichtung. Sie müssen die Möglichkeit haben, die Chancen dann auch nutzen zu können, wenn sie sich Ihnen bieten. Ich bin recht optimistisch, dass uns das auch in Zukunft gelingen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Frank Lipowski ist seit 2009 Portfolio Manager bei Flossbach von Storch.

 

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