05.11.2019 - Bert Flossbach

Der grosse Generationenbetrug


In Deutschland mit seinem umlagefinanzierten Renten- und Pflegesystemen zeichnet sich ein Generationenbetrug ab, der sich beim Glauben an eine Postwachstumsideologie dramatisch beschleunigen würde.

Wenn die heutige Jugend in 15 Jahren die Renten der Babyboomer – in Deutschland sind das die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1969 – finanzieren muss, wird immer weniger Netto vom Brutto übrigbleiben. Dies wiegt umso schwerer, da die Jüngeren bei einem maroden und knappen Wohnungsangebot auch noch die Folgen einer verkorksten Wohnungsbaupolitik zu tragen haben und ein Vermögensaufbau durch hohe Abgaben und die anhaltende Nullzinspolitik erschwert wird.

Aktiensteuer behindert private Altersvorsorge

Um die Altersvorsorge noch weiter zu behindern, planen einige europäische Finanzminister dem schlechten Beispiel Frankreichs zu folgen und eine Aktiensteuer zu erheben. Die als „Finanztransaktionssteuer“ gedachte und heute noch so bezeichnete Abgabe sollte ursprünglich den Handel mit Derivaten und kurzfristiges Spekulieren eindämmen, um die Finanzmärkte stabiler zu machen. Auf Drängen französischer Banken wurden aber Derivate, Anleihen und die Transaktionen von Hochfrequenzhändlern ausgenommen. Jetzt soll es nur noch redliche Aktiensparer und alle zur Altersvorsorge dienenden Anlagen treffen (Versicherungen, Fonds, Pensionskassen). Damit wird Zocken belohnt, langfristiges Anlegen zur Altersvorsorge aber bestraft. Noch absurder kann man eine Steuer nicht (um-)gestalten.

Junge Menschen am stärksten betroffen

Die Jugend ist hiervon wieder einmal am stärksten betroffen. Widerstand ist aber nicht zu erwarten. Im Gegenteil, die wenigen jungen Menschen, die davon Kenntnis haben, dürften glauben, es handele sich um eine Steuer, die nicht sie, sondern die ungeliebten Banken treffe und deshalb sogar „gut“ sei – ein Eindruck, den das Bundesministerium der Finanzen (BMF) im Übrigen nach Kräften schürt. Deshalb haben wir uns direkt an das BMF gewendet und vehement gegen diesen Anleger- und Generationenbetrug protestiert.

Finanzministerium weicht Fragen aus

Die Antwort des BMF auf unser erstes Schreiben vom 12. August fiel leider erwartungsgemäss aus. Im Grunde war es auch keine Antwort, sondern eine das Thema verfehlende Stellungnahme, die die ursprünglich hehren Absichten betont und hervorhebt, dass Frankreich es ja auch getan habe, ohne dadurch grossen Schaden zu erleiden. Daraufhin haben wir ein zweites Schreiben verfasst. Die Antwort darauf steht noch aus.

Umverteilung zu Lasten der Jungen

Die ältere Generation ist in der Pflicht, die Umverteilung zu Lasten der Jungen nicht zuzulassen. Nicht nur die Babyboomer, auch die Jüngeren haben ein Recht auf eine ordentliche Rente. Grosszügige Rentenpakete (Mütterrente, Grundrente, Rente mit 63) für die älteren Jahrgänge erscheinen zwar sozial gerecht, sind angesichts der demographischen Entwicklung aber eine riesige Bürde für die heutige Jugend. Erschwinglicher Wohnraum ist erstrebenswert, doch statt neuen zu schaffen, werden in Berlin alte Wohnungen teuer zurückgekauft, die zuvor billig veräussert wurden.

Klimadiskussion überdeckt Generationenbetrug

Die Jugend hat wenig Macht an den Wahlurnen und ist vollends mit der Bedrohung durch den Klimawandel beschäftigt. So wird sie zur leichten Beute der Politik, die ihre Stimmen nicht braucht, aber über ihr Geld verfügt. Umverteilungsprotagonisten dürfte es deshalb gar nicht so unrecht sein, wenn das omnipräsente Klimathema den Generationenbetrug überdeckt. Ein besseres Verständnis ökonomischer Zusammenhänge könnte helfen, dies zu ändern.

Wahltaktik und Klientelpolitik gefährden Zukunftschancen

Es bräuchte eine Greta 2.0, die nicht nur der jüngeren Generation aufzeigt, wie ihre Zukunftsperspektiven durch Wahltaktik und Klientelpolitik gefährdet werden, sondern auch die stimmgewaltigen Älteren erreicht. Dies verdeutlichen die Gelbwestenproteste in Frankreich, die Emmanuel Macron stärker beeindruckt haben als die Anklage von Greta Thunberg. Infolge der Proteste wurde der geplante Ausgleich des Staatshaushalts in die Zukunft verschoben, wohl wissend, dass die Rechnung von den Jüngeren zu begleichen ist.

Greta Thunberg kann sich darüber freuen, später einmal vom Modell der schwedischen Altersvorsorge zu profitieren, die den Schweden eine kapitalgedeckte Rente sichert. Auch junge Norweger brauchen sich über Altersarmut weniger Gedanken zu machen. Norwegens Staatsfonds ist fast 1.000 Mrd. Euro schwer und zu knapp 70 Prozent in Aktien investiert. Jeder Norweger verfügt damit rein rechnerisch über ein Kapitalpolster von 185.000 Euro. Davon können die Bürger in den meisten anderen europäischen Ländern nur träumen. Dies verdeutlicht, dass der ökonomische und soziale Klimawandel von Land zu Land unterschiedlich ist. Eine globale Bewegung, mit einer Heldin oder einem Helden an der Spitze, ist deshalb nur schwer vorstellbar.

 

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