24.09.2020 - Elmar Peters

Deutschland – der Minuszins-Hotspot


Deutschland – der Minuszins-Hotspot

In kaum einem Land gibt es mittlerweile tiefere Zinsen als in Deutschland. Das liegt auch an der Corona-Pandemie – und dürfte sich so schnell nicht ändern. Sparer sollten umdenken.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind Vergleiche von Ländern und Regionen gross in Mode. Einerseits sind tägliche Daten zu Neuinfektionen, Sieben-Tage-Inzidenzen, Todesfällen oder das Ausmass der Wirtschaftseinbrüche sicher eine wichtige Grundlage dafür, eine Pandemie wirksam zu bekämpfen. Andererseits werden sie in manchen (sozialen) Medien auf beinahe makabre Art und Weise ausgeschlachtet. Dabei geht es um „Breaking News“, furchterregende Szenarien, manchmal sogar Schadenfreude. Eine Pandemie ist aber kein Wettlauf. Es geht nicht um Land gegen Land oder Junge gegen Alte. Es geht um die Gesundheit der Menschen.

Deutschland bewegt sich in solchen Vergleichen bislang stets im oberen Mittelfeld. Es gab weniger Erkrankungen als in den USA oder Brasilien, beispielsweise. Die Wirtschaft ist zwar massiv eingebrochen, aber lange nicht so stark wie etwa in Grossbritannien oder Italien. Bislang sind wir wohl ganz gut durch die Krise gekommen, so scheint es. Eine Ausnahme bildet allerdings ein Aspekt, der vor allem die deutschen Sparfüchse trifft.

Deutlich unter null Prozent

Deutschland hat sich zum weltweiten Minuszins-Hotspot entwickelt. Zehnjährige Bundesobligationen notieren mit mehr als minus 0,5 Prozent so tief wie in keinem anderen grossen Industrieland. Anleger zahlen mehr dafür, unserem Staat Geld zu leihen als in der notorisch um die Aufwertung der eigenen Währung besorgten Schweiz. Mehr als in Japan, einem Land, in dem schon seit Jahrzehnten die Angst vor einer Deflation grassiert.

Banken reichen Minuszins weiter

Hinzu kommt: Immer mehr deutsche Banken führen Minuszinsen für Einlagen auf Sparkonten ein. Ein Internetportal ermittelte im September dieses Jahres mehr als 120 Institute, die solche „Strafzinsen“ verlangen. Andere Institute erhöhen stattdessen (weniger öffentlichkeitswirksam) ihre Gebühren.

Sparer besonders betroffen

Auch wenn Sparer die neue Minuszins-Welle bedauern mögen, so sollten sie weder dem Bund noch der Hausbank dafür Vorwürfe machen. Wenn die Notenbank Minuszinsen vorgibt, warum sollte dann ein Staat bei neuen Obligationen weniger verlangen, als der Markt zu zahlen bereit ist? Oder Banken Konten anbieten, mit denen sie ein Verlustgeschäft machen – weil sie gleichfalls bei kurzfristigen Einlagen bei der Europäischen Zentralbank einen „Strafzins“ von minus 0,5 Prozent entrichten und die Kosten für Mitarbeiter, Regulatorik und Immobilien weiter steigen?

Corona-Pandemie beschleunigt bestehende Trends

Wir rechnen nicht damit, dass sich an dieser Situation in absehbarer Zeit etwas ändert, was übrigens auch mit Covid-19 zu tun hat. Die schon vor der Pandemie gewachsenen Schuldenberge vieler Staaten steigen mit Blick auf die zahlreichen Rettungsprogramme rasant an. Ohne eine tatkräftige Unterstützung der Notenbanken wären diese riesigen Schulden kaum noch finanzierbar. Dabei wirkt der Virus (auch hier) wie ein Trendbeschleuniger – für eine expansivere Notenbankpolitik, steigende Staatsausgaben, langfristig krisenanfälligere Währungs- und Finanzsysteme.

Auch die USA müssen sich dauerhaft auf Minizinsen einstellen

Dieser Trend zeigt sich nicht nur in Europa, sondern in beinahe allen grossen Industrienationen. In den USA sind die Schulden der US-Regierung zuletzt rasant auf über 20 Billionen US-Dollar angestiegen. Die Schuldenquote auf Bundesebene dürfte Ende 2020 somit knapp über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Die US-Amerikaner lernen derzeit, dass auch sie wohl noch sehr lange mit Minizinsen leben werden. Laut US-Notenbank Federal Reserve sollen die Leitzinsen so lange niedrig bleiben, bis die Inflation das Ziel von (mindestens) zwei Prozent erreicht und der Arbeitsmarkt wieder floriert.

Wer sein Vermögen real erhalten möchte, sollte zumindest einen Teil in Sachwerte investieren. Und sollte damit wohl nicht mehr allzu lange warten. Die Vermögenspreise sind – auch wegen dauerhaft niedriger Zinsen – in den vergangenen Jahren massiv angezogen. Am spektakulärsten ist diese Entwicklung wohl am Immobilienmarkt, wo die Preise in einigen Regionen deutlich schneller gestiegen sind als die Mieten. Im Vergleich dazu erscheinen viele Aktien trotz der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie immer noch als preiswert. Langfristig, das ist zumindest unsere Einschätzung, dürfte diese Anlageklasse noch einiges Potenzial haben.

 

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