21.03.2019 - Flossbach von Storch

„Disruption? Sprechen wir lieber von kreativer Zerstörung.“


Technische Innovationen verdrängen alte Geschäftsmodelle. Philipp Vorndran und Thomas Lehr diskutieren über die Folgen von Disruption. Warum Veränderungen nicht schlecht sein müssen.

Ist Disruption gut oder schlecht?

Vorndran: Kommt darauf an.

Worauf?

Lehr: Auf den Blickwinkel. Für einen Vorstand, dessen Unternehmen auf den Prüfstand gestellt wird, weil sich die Welt verändert, weil die Digitalisierung ihn schlicht überrollt, ist sie bedrohlich, womöglich sogar existenzgefährdend, wenn er nicht die richtigen Schlüsse daraus zieht. Für uns als Investoren ist sie faszinierend.

Habt Ihr ein Beispiel?

Lehr: Der Kollege hat Euch etwas mitgebracht …

Einen Pyjama?!

Vorndran: Einen Pyjama, ja.

Und was hat der mit Disruption zu tun?

Vorndran: Er stammt aus Japan. Das dahinterstehende Unternehmen heisst Start Today. Der Anzug ist massgeschneidert. Mithilfe des Smartphones wird der Körper vermessen – und dann wird bestellt.

Haben die Masse denn gestimmt?

Vorndran: Sie waren auf den Millimeter korrekt; wir haben natürlich nachgemessen. Das ist Disruption! Die Disruption des Online-Versandhandels.

Lehr: Im Grunde ist Disruption kein wirklich neues Thema. Disruption hat es immer schon gegeben. Nicht nur heute oder zur Jahrtausendwende, als das Internet mit Macht in die Haushalte drängte. Prozesse verändern sich. Unternehmen verändern sich – kommen nicht mehr mit oder entwickeln sich weiter. Auch Volkswirtschaften verändern sich. Die Gesellschaft verändert sich. Also alles wie gehabt. Was sich jedoch verändert hat, ist die Geschwindigkeit des Wandels.

Vorndran: Das Internet wirkt gewissermassen wie ein Disruptions-Turbo.

Unser Gefühl ist, dass Disruption meist mit Risiken verbunden wird …

Lehr: Was sicherlich auch am Begriff liegt und seiner Definition – Zerstörung. Sprechen wir lieber von „kreativer“ Zerstörung. Technologischer Fortschritt, Fortschritt im Allgemeinen, ist etwas Fantastisches, nichts Bedrohliches.

Erzählt das mal dem klassischen Einzelhändler …

Lehr: Für den ist die Digitalisierung eine Herausforderung, logisch. Für unsere Branche im Übrigen auch. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss sich stetig weiterentwickeln. Diese Spielregeln gelten für alle. Entscheidend ist, dass wir die Neugier nicht verlieren. Fehler im System erkennen, aber auch die Chance finden – danach zu suchen, sie also finden zu wollen.

Vorndran: Korrekt. Es ist auch eine Frage der Haltung. Wir stehen uns leider allzu gerne selbst im Weg. Weil wir so etwas wie einen Anker im Kopf haben, der alles um uns herum an dem ausrichtet, was wir bereits wissen oder kennen und deshalb den Raum, anders zu denken, ja das Aussergewöhnliche und deshalb vermeintlich Undenkbare zu denken, begrenzt.

Habt Ihr vielleicht ein konkretes Beispiel?

Vorndran: Ich war in der vergangenen Woche bei einer Bank in Oberbayern. Wir haben dort unter anderem über den Wohnungsmangel in München gesprochen – und wie der sich beheben liesse. Ich habe in diesem Zusammenhang auf ein Beispiel aus Norwegen, auf Oslo verwiesen. Wie in allen anderen europäischen Metropolen herrscht auch dort Platzmangel. In bester Lage befinden sich meist Friedhöfe. Was machen die Norweger? Sie überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, den Ort für die Verstorbenen in die Höhe zu bauen statt in die Breite. Warum eigentlich nicht?

Lehr: Bayern oder das Rheinland wären vermutlich genau das richtige Versuchslabor …

Vorndran: Schauen wir mal. Oft ging es viel schneller, und die Folgen der Disruption gingen weit über das hinaus, was die Menschen sich vorstellen konnten. Wenn wir Henry Ford hätten fragen können zu den Wünschen seiner Kunden, dann hätte er gesagt: „Sie wünschen sich schnellere Pferde.“ Ford selbst hat das anders gesehen – und recht damit behalten. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins „Position“ erschienen, das Sie kostenlos abonnieren können. Hier geht es zum Abonnement.

 

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