07.03.2019 - Thomas Lehr

Ein stilles Jubiläum


In diesem Jahr feiert der Euro seinen zwanzigsten Geburtstag. Erfolgsstory oder Weichwährung? Eine kritische Würdigung.

Am 1. Januar 1999 wurde der Euro offiziell als Buchgeld in der Eurozone eingeführt. Der zwanzigste Geburtstag der Gemeinschaftswährung fand aber weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vielleicht auch deshalb, weil unsere Währung an Glanz verloren hat.

Dabei ist in den vergangenen 20 Jahren auf den ersten Blick eigentlich gar nicht so viel passiert. Seit Bestehen notiert der Euro heute zum US-Dollar fast auf dem gleichen Niveau wie zum Start im Jahr 1999. Dennoch hat der Euro in den vergangenen 20 Jahren eine bewegte Geschichte hinter sich. Spätestens seit der Einführung als Bargeld im Jahr 2001 wertete der Euro kräftig auf. Sein Höchstkurs im Jahr 2008 liegt mit knapp 1,60 US-Dollar deutlich über dem Einführungskurs von 1,1747 US-Dollar.

Nach dem Ausbruch der grossen Finanzkrise folgten dann zehn schwache Jahre.

In der Krise zeigten sich die strukturellen Probleme der Eurozone. Volkswirtschaften, die wohl nie im Gleichklang laufen. Die ausufernden Staatsschulden. Und eine Europäische Zentralbank (EZB), die letztlich alles am Laufen hält, was auch immer dafür nötig erscheinen mag. Das Ergebnis ist die bekannte Pendelbewegung – es überrascht nicht, dass der Euro die Gewinne der ersten Jahre wieder abgeben musste (vgl. Grafik 1).

Deutsche Sparer in Nöten

Die inzwischen „zinslose Weichwährung“ Euro trifft deutsche Sparer somit gleich doppelt. Zum einen reichen die Zinserträge längst nicht mehr aus, um das Vermögen nach Abzug der Inflation (und etwaiger Kosten und Steuern) real zu erhalten. Auch im internationalen Vergleich sinkt die Kaufkraft des Ersparten durch die kontinuierliche Abwertung des Euro über die vergangenen Jahre. Weiche Währungen taugen eben kaum als Wertspeicher des Vermögens.

Natürlich ergäben sich aus der fortschreitenden „Liraisierung des Euro“ auch mögliche Währungschancen. Um die aber berauben sich Anleger hierzulande systematisch. Fremde Währungen werden nach wie vor – vermutlich wegen den Erfahrungen aus DM-Zeiten – als Risiko und nicht als Chance wahrgenommen. Nicht selten sichert man sie deswegen teuer ab. Etwas verkürzt – aber durchaus treffend – kann man sagen: Statt sich global an erfolgreichen Unternehmen zu beteiligen und von deren Wertschöpfungspotential (auch in anderen Währungen) zu profitieren, sucht der auf Sicherheit bedachte deutsche Anleger sein Glück in auf Euro lautenden, nicht- oder niedrigverzinsten Anlagen.

Daran wird sich unseres Erachtens auch in Zukunft wohl kaum etwas ändern. Auch wenn die Zinsen – das ist zumindest unsere Überzeugung – in der Eurozone noch sehr lange niedrig bleiben werden. Dafür sprechen zumindest die ausufernden Staatsschulden. In Frankreich und Spanien liegt die Verschuldung bei rund 97 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), in Italien bei 130 Prozent. Vor Einführung des Euro haben sich die Mitgliedsstaaten der Währungsunion im Maastricht-Vertrag noch auf eine Obergrenze von 60 Prozent geeinigt. Wenn der Euro Bestand haben soll, müssen die ständig steigenden Staatsschulden aber finanzierbar sein – und das geht langfristig nur mit niedrigen Zinskosten.

Die Zinswende fällt wohl aus…

Nun läuft die Amtszeit des amtierenden EZB-Präsidenten Mario Draghi im Herbst aus. Wir erwarten aber eher nicht, dass seine Nachfolger eine völlig andere Geldpolitik durchsetzen. Der neue EZB-Chefvolkswirt Philip Lane von der irischen Notenbank steht wohl eher für eine „kreative“ Notenbankpolitik und gilt kaum als eiserner Verfechter einer harten Währung.

Das Rennen um den weitaus wichtigeren Posten des EZB-Präsidenten ist noch nicht entschieden. Im Gespräch sind mit Erkki Liikanen und Olli Rehn zwei finnische Kandidaten, die ebenfalls eher für eine Fortsetzung der bestehenden EZB-Politik stehen. Gut für die südlichen Euroländer, denn sie können weiter mit niedrigen Zinsen rechnen. Leicht verkäuflich für die geringer verschuldeten nördlichen Länder, gelten die Finnen doch als solide Partner aus dem eigenen Lager. Wenn sich die aktuelle Geldpolitik fortsetzt, droht aber eine „Liraisierung des Euro“, eine weiche Währung mit all ihren Konsequenzen.

Schon jetzt zeigen sich erste Marktentwicklungen, die wir aus Ländern mit schwachen Währungen kennen. Sachwerte sind gefragt. Die Immobilienpreise ziehen kräftig an. Während die Verbraucherpreise seit 1999 nur um 30 Prozent gestiegen sind, kletterten die Immobilienpreise im Schnitt um gut 60 Prozent. Bei internationalen Aktien (gemessen am MSCI Welt inklusive Dividenden in Euro) fiel die Wertsteigerung in den vergangenen 20 Jahren sogar noch deutlich höher aus.

Wie sich der Euro in den kommenden 20 Jahren entwickeln wird, können wir natürlich nicht vorhersagen. Wir besitzen leider keine Kristallkugel. Angesichts der hohen Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Bürgern in einigen Ländern der Eurozone und der sich abschwächenden wirtschaftlichen Entwicklung glauben wir aber nicht, dass sich die geldpolitischen Rahmenbedingungen wesentlich ändern können. Zumindest nicht, wenn der Euro Bestand haben soll.

 

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