06.04.2020 - Kurt von Storch

Eine Übung in Demut


Die New Yorker Börse ist einer der Brennpunkte der Corona-Krise. Kurt von Storch schildert hier, wie er New York 1987 als Zentrum eines Börsencrashs erlebte und wie ihn das bis heute prägt.

Kurt von Storch denkt derzeit oft an New York und die Menschen, die dort besonders hart von der Corona-Krise getroffen werden. Zu New York hat er seit vielen Jahren eine sehr enge und persönliche Beziehung: Bereits 1985 hat er in New York als Student ein Praktikum bei einer Schweizer Bank absolviert. Der Aufenthalt in der Stadt und die Arbeit bei der Bank hatten ihn so begeistert, dass er den Entschluss fasste: Nach dem Studium willst du wieder nach New York. Sein Plan ging auf: Seinen ersten Job nach dem Studium startete er in New York als Junior-Wertpapierhändler im Handelssaal einer grossen Schweizer Bank Anfang Oktober 1987. Hier schildert Kurt von Storch seine Erlebnisse vom 19. Oktober 1987 und er erklärt, wie ihn dieser Tag, der als Schwarzer Montag in die Börsengeschichte einging, bis heute prägt.

Den Crash erlebte ich als absoluter Novize an der Wall Street. Ich war gerade mit dem BWL-Studium fertig und erst seit ein paar Tagen in der Stadt. Ich startete bei der Bank als Junior-Wertpapierhändler im Handelssaal. Dort sassen der Währungshandel, der Renten- und der Aktienhandel zusammen, entsprechend lebhaft ging es zu. Und dann kam der 19. Oktober. Ein Montag. Ich ahnte, dass etwas in der Luft lag – schliesslich hatte der Dow Jones schon in der Vorwoche kräftig verloren. Dabei begann der Handelstag mit Routine. Allerdings gelang das den Händlern nur kurze Zeit. Je länger der Handel lief, desto größer wurden die Verluste und die ganze Situation verwandelte sich in Panik.

„Die letzte halbe Stunde des Handels war surreal“

30 Minuten vor Handelsende lagen die Verluste schon bei unvorstellbaren 15 Prozent, und dann ging es nochmals bergab. Die letzte halbe Stunde des Handels war surreal: Die Leute im Handelssaal fingen an zu lachen, gleichzeitig wurde die Lage immer dramatischer. Das nahm richtig Fahrt auf. Es war, als wenn eine umgekehrte „Champagnerlaune“ die Leute ergriffen hätte. Wirklich irre. Und dann kam der Schlussgong. Und plötzlich sackte diese Stimmung in sich zusammen. Es herrschte schlagartig Stille, gespenstische Ruhe. Die Leute waren fertig. Sie schlichen nach Hause.

Als Anfänger dachte ich den ganzen Tag: Hoffentlich ruft keiner an. Was, wenn sich jetzt ein Kunde mit Orderwünschen bei mir meldet? Ich war ganz neu dort, und ich spürte, dass der „Room for error“, die Fehlertoleranz, an diesem Tag besonders gering war. Denn es ging um grosse Orders, wirklich grosse Orders.

„Der Tag war ernüchternd…“

Ich muss sagen, dass ich die tatsächliche Tragweite dessen, was am 19. Oktober 1987 passierte, damals nur ansatzweise verstanden habe. Der Tag war ernüchternd. Ich merkte: Das war kein Traum, das war real. In den Folgetagen erfuhr ich immer wieder: Jeder kannte jemanden, der während des Crashs hohe Verluste erlitten hatte. Das tiefe Verständnis für das, was bei dem Crash passiert war, kam erst später. Als ich realisierte, welche Milliardenwerte innerhalb weniger Stunden vernichtet wurden.

„… und hat mich demütig gemacht“

Dieser Tag hat mich demütig gemacht. Heute betrachte ich die Erinnerung an den Crash als eine Demutsübung. Und wenn ich mich umschaue, war und ist das auch hilfreich. Bis vor kurzem erlebten wir eine Sonderkonjunktur an den Börsen. Da war eine gewisse Demut hilfreich: Nicht zu gierig werden, sondern auch an die bekannten und unbekannten Risiken denken. Denn auch 1987 lief der US-Aktienmarkt sehr gut – bis er eben nicht mehr gut lief, sondern crashte. Und heute gilt es, kühlen Kopf zu bewahren mit einer konsistenten, kaufmännisch geprägten und vor allem langfristig ausgerichteten Anlagestrategie. In deren Zentrum steht unser Pentagramm, die fünf Investmentleitlinien, die sich in vielen Krisen bewährt haben, um das uns anvertraute Vermögen zu erhalten und zu mehren.

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