24.08.2022 - Philipp Vorndran

Fatale Abhängigkeiten


Fatale Abhängigkeiten

Der Euro verliert gegenüber dem US-Dollar weiter an Boden. Und dafür gibt es Gründe – neben den altbekannten. Aber was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

Wir haben an dieser Stelle oft über den Euro geschrieben. Über seine Stärken und, vermutlich häufiger noch, über seine Schwächen. Darüber, dass die Eurozone kein idealer Währungsraum sei, weil es immer auch eine einheitliche, eine supranationale Finanz- und Wirtschaftspolitik braucht, wenn sich grundverschiedene Volkswirtschaften zu einer Währungsgemeinschaft zusammentun. Das alles ist Euro-Geschichte – „Geburtsfehler“, wie es so oft und schön heisst. Und die lassen sich nun mal nicht so leicht beheben. Soweit der kalte Kaffee.

Aufgrund der Verschiedenheit seiner Mitglieder ist die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen, sich an den ökonomisch Schwächsten zu orientieren - an denen, die gemessen an ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit am höchsten verschuldet sind. Sie kann also in diesen Tagen den Leitzins nicht kräftig nach oben ziehen, um die Inflation zurückzudrängen, obwohl es eigentlich geboten wäre. Eben weil die hochverschuldeten Mitglieder andernfalls unter der Last ihrer Schulden zusammenbrächen. Anders ausgedrückt: Der Spielraum der EZB ist deutlich geringer als der der US-Notenbank Fed.

Spielball der Despoten

Die sich aus diesem Umstand ergebende Zinsdifferenz zwischen Euro- und US-Dollarraum ist derzeit eine Erklärung für die relative Attraktivität der USA gegenüber Europa, des US-Dollar gegenüber dem Euro. Es gibt aber noch eine weitere Erklärung; eine, die meines Erachtens viel zu wenig Beachtung findet, zumindest wenn es um das Euro-Dollar-Verhältnis geht. Dabei stehen weniger die Schwächen der Schwächeren im Fokus – wir haben in der Vergangenheit immer wieder über die Liraisierung des Euro gesprochen. Die Probleme Italiens stehen stellvertretend für die Probleme anderer hochverschuldeter Euro-Mitglieder und damit des gesamten Währungsverbundes.

Nein, es geht vielmehr um die vermeintlich starken Euro-Mitglieder, insbesondere um Deutschland, den selbsternannten Exportweltmeister. Der verheerende Krieg in der Ukraine zeigt deutlich, wie teuer der Titel mitunter erkauft wurde.

Denn Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren in fatale Abhängigkeiten begeben. Sei es zu Russland, wenn es um die Energieversorgung ging, oder zu China bei der Erschliessung des chinesischen Marktes für deutsche Exportgüter. Allzu blauäugig ist der Umgang mit den Despoten im Osten stets gewesen.

Es geht um knallharte Geopolitik

Dass wirtschaftliche Interessen und knallharte Geopolitik zwei Seiten derselben Medaille sind, wollten die Vertreter deutscher Regierungen – ganz gleich welcher Couleur – zu keinem Zeitpunkt wahrhaben. In Wladimir Putin wurde der „lupenreine Demokrat“ gesehen, in Xi Jinping der freundlich lächelnde, verlässliche Handelspartner aus dem Reich der Mitte. Geschäftsbeziehungen „auf Augenhöhe“. In Friedenszeiten mag das leidlich funktionieren, wenn dann aber die geopolitische Perspektive in den Fokus gerückt wird, kommt es zum Schwur.

Was würde mit dem Exportweltmeister passieren, wenn der lupenreine Demokrat den Gashahn endgültig zudrehte? Und was, wenn Xi das offen erklärte Ziel, Taiwan „heim ins Reich“ zu holen, tatsächlich umsetzte, gewaltsam umsetzte, und die Handelsverflechtungen mit China gekappt werden müssten?

Diese Abhängigkeiten werden Investoren derzeit unter dem Brennglas präsentiert und von ihnen als strukturelle Schwäche des Euro wahrgenommen – neben den viel zitierten Geburtsfehlern.

Aber was bedeutet das für die Anlegerinnen und Anleger?

Ich werde sicherlich keine Empfehlung abgeben, sich kurzfristig in irgendeiner Weise zu positionieren, auf den weiteren Euro-Verfall zu wetten oder auf die rasche Erholung.

Es geht mir vielmehr um den Hinweis, dass langfristig denkende, in der Eurozone beheimatete Anleger um die Schwächen ihrer Heimat-Währung wissen und die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen sollten. Das Vermögen nicht nur auf verschiedene Anlageklassen oder Einzeltitel aufteilen, sondern eben auch auf verschiedene Währungsräume.

So wie das früher, und da wären wir doch wieder bei der Lira, die Italiener getan haben. Die waren heilfroh, neben der heimischen Währung beispielsweise noch D-Mark, US-Dollar oder Schweizer Franken gehabt zu haben.

 

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