Greetings from Charlie

27.02.2018 - Charles T. Munger

GESELLSCHAFT


Charles T. Munger ist ein Vorbild für viele Investoren – weltweit. In seinem Gastbeitrag blickt der 94-jährige Vice Chairman von Berkshire Hathaway auf sein Leben zurück – und erklärt, was ihn so erfolgreich macht.

Charles Thomas Munger(geboren am 1. Januar 1924) ist ein amerikanischer Investor, Geschäftsmann und Philanthrop. Er ist stellvertretender Vorsitzender von Berkshire Hathaway und somit Warren Buffetts rechte Hand. Wie sein Partner Buffett wurde Munger in Omaha, Nebraska geboren. Nach einem Studium an der University of Michigan wurde er zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs Meteorologe bei der US-Army. Im Jahr 1948 machte er seinen Abschluss an der Harvard Law School. Elf Jahre später lernte er Warren Buffett auf einer Dinnerparty kennen. Als erfolgreiche Value-Investoren gelten sie vielen Anlegern weltweit als Vorbild. Ihr Unternehmen, die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ist an der Börse knapp eine halbe Billion US-Dollar wert.

Der Text spiegelt die Lebensweisheit Charlie Mungers wider und enthält Auszüge einer Rede, die dieser vor knapp zehn Jahren an der amerikanischen USC School of Law Commencement gehalten hat. Der Gastbeitrag ist in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins „Position“ erschienen, dass Sie kostenlos abonnieren können.

 

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Der sicherste Weg, im Leben das zu bekommen, was man möchte, ist es, sich seinen Erfolg zu verdienen. Oder einfacher: Liefere der Welt, was du selbst gern hättest. Es ist ein grosses Glück, wenn andere Menschen einem Vertrauen schenken – weil man es sich verdient hat. Im Grunde ist es wie in einer Beziehung: Es gibt keine grössere, wahrere Liebe als die, die auf der Bewunderung des Partners beruht. Dazu gehört immer auch die innere Einkehr.

Das Erlangen von Weisheit ist eine moralische Pflicht. Es ist nicht etwas, was man macht, nur um im Leben voranzukommen. Ohne den Willen zum lebenslangen Lernen lässt sich das Leben nur schwerlich erfolgreich meistern. Nur mit dem Wissen, das man bereits hat, kommt man nicht weit. Fortschritt kann es nur durch Erkenntnisse geben; Erkenntnisse, die man im Laufe der Zeit hinzugewinnt.

Ich begegne immer wieder Personen, die grossen Erfolg haben, obwohl sie nicht zu den Intelligentesten gehören und teilweise nicht mal zu den Fleissigsten. Dafür sind sie wahre Lernmaschinen. Sie gehen jeden Abend schlauer ins Bett, als sie am Morgen zuvor aufgestanden sind. Das hilft ungemein, vor allem, wenn man im Leben noch einiges vor sich hat. Eine Zivilisation kann sich nur weiterentwickeln, wenn sie erfinderisch ist. Für jeden Einzelnen bedeutet das, zu verinnerlichen, permanent lernen zu müssen. Ich habe in meinem Leben unermüdlich daran gearbeitet, Aufgaben interdisziplinär zu lösen. Übung ist dabei der beste Lehrmeister.

Was hat mir das gebracht? Mehr Spass im Leben. Es macht mich konstruktiver und meine Arbeit nützlicher für andere. Es hat mich sogar reich gemacht! Lebenslang zu lernen, dabei fächerübergreifend zu denken – ich kann Ihnen diese Herangehensweise nur empfehlen.

Sie birgt aber auch Gefahren. Denn diese Methode ist sehr effektiv. Möglicherweise finden Sie sich irgendwann in „Expertenrunden“ wieder; vielleicht sind diese „Experten“ sogar Ihre Vorgesetzten. Gut möglich, dass Sie dann die richtigen Antworten haben und nicht die anderen. Das ist eine sehr gefährliche Situation. Ihr Chef droht dumm dazustehen, falls Ihre Argumente die besseren sind. Er wird vermutlich beleidigt sein. Ich selbst habe dieses Problem nie wirklich lösen können. Manchmal kann es besser sein, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Das wäre mein Ratschlag.

Marcus Cicero wurde berühmt, als er sagte, der Mann, der nicht wisse, was vor seiner Geburt geschehen sei, werde wie ein Kind durchs Leben gehen. Das ist ein sehr richtiger Gedanke. Wenn man Cicero ein wenig verallgemeinert, und das sollten wir nach meinem Dafürhalten tun, dann bedeutet das, sehr viel mehr im Leben kennenzulernen als die Historie.

Wir sollten uns auch mit den grossen Ideen aus all den anderen Disziplinen beschäftigen. Dabei reicht es nicht, so zu lernen, als wolle man das Examen mit Bestnote abschliessen – und den Stoff danach wieder zu vergessen. Vielmehr sollte das Wissen so tief im Gedächtnis „verankert“ werden, dass es später automatisiert und immer wieder abgerufen werden kann – ein Leben lang.

Wenn Ihnen das gelingt, dann gebe ich Ihnen ein Versprechen: Sie werden eines Tages die Strasse entlangspazieren, sich nach rechts und links umschauen und denken: „Oh Schreck, jetzt bin ich tatsächlich einer der kompetentesten Menschen meiner Generation.“ Wenn Sie sich aber nicht stetig weiterentwickeln, dann werden selbst die schlauesten Köpfe unter Ihnen bestenfalls im Mittelmass enden. Manchmal nicht einmal das.

Komplexe, lernfähige Systeme und gedankliche Konstruktionen sorgen dafür, dass Probleme oftmals einfacher gelöst werden können. Ich würde sogar behaupten, sie sind noch einfacher zu lösen, wenn man sie vom Kopf auf die Füsse stellt. Ein Beispiel: Wenn Sie Indien helfen möchten, sollte die Frage nicht lauten: „Wie kann ich Indien helfen?“, sondern: „Was verursacht die grössten Schäden in Indien – was würde in Zukunft die grössten Schäden anrichten und wie lassen sich diese vermeiden?“

Den Blickwinkel zu verändern hilft Ihnen, die Probleme wirklich zu lösen, auch wenn Sie nicht begabter sind als Albert Einstein.

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