24.03.2020 - Flossbach von Storch

„Robustheit in einer fragilen Welt“


Kurt von Storch

Die Turbulenzen an den Börsen verunsichern viele Anleger. Kurt von Storch, Philipp Vorndran und Thomas Lehr erklären, wie Flossbach von Storch der Corona-Krise trotzt.

THOMAS LEHR: Das neue Coronavirus bedroht unsere Gesundheit und unsere Ökonomie. Die Menschen müssen in vielen Ländern zuhause bleiben. Hast Du so etwas schon erlebt, Philipp?

PHILIPP VORNDRAN: Nein, noch nie. Eine völlig neue Lage. Unbekanntes Terrain. Aber haben wir genau das nicht auch gesagt, als uns 2008/ 2009 die Finanzkrise traf? Oder als die Wall Street im Jahr 1987 an einem Tag gut 20 Prozent nach unten rauschte? Jede Krise ist einzigartig. Trotzdem dreht sich die Welt weiter. Man sollte also auch auf die Corona-Krise angemessen reagieren, aber das langfristige anlagestrategische Weltbild im Auge behalten. Unsere Kernaufgabe ist es, die Vermögen unserer Kunden zu erhalten und zu mehren. Daran hat sich nichts geändert.

THOMAS LEHR: Fangen wir mal bei den Grundlagen an. Die Corona-Krise bietet ganz praktische Herausforderungen. Was haben wir in den vergangenen Wochen und Tagen getan, um unsere Firma optimal aufzustellen?

KURT VON STORCH: Wir haben intensive Vorbereitungen getroffen, um auch im Falle einer verschärften Lage voll handlungsfähig zu sein. Wir möchten unsere vertrauensvolle Kommunikation fortsetzen und auch weiter möglichst transparent für unsere Kunden sein. Schon seit Mitte März sitzt die Mehrzahl unserer Mitarbeiter im Home-Office. Dort wurde ihnen ein vollständiger Arbeitsplatz eingerichtet. Zusätzlich haben wir Ersatzbüros. Alle wichtigen Funktionen sind mindestens doppelt und an verschiedenen Orten besetzt. So verfügen Analysten und Portfolioverantwortliche nicht nur über einen Laptop, sondern beispielsweise auch über die nötige Bloomberg-Ausstattung. Bei unseren Händlern wurden in ihrem Zuhause voll funktionsfähige Handelssysteme eingerichtet. Die technischen Voraussetzungen sorgen dafür, dass Anlageentscheidungen in jeder Lage immer begründet getroffen und effizient umgesetzt werden können. Dafür braucht es aber auch einen freien Kopf. Wir sind unabhängig im Denken und Handeln, schon seit der Gründung des Unternehmens. Als reine Asset-Manager können wir uns auf die Anlageentscheidungen konzentrieren und müssen uns ansonsten keine weiteren Sorgen machen. Die Flossbach von Storch AG ist zudem sehr solide aufgestellt. Die Mittelzuflüsse sehen gut aus, vor allem bei unserem Flaggschiff-Fonds sahen wir seit Anfang des Jahres Zuflüsse, auch in den Krisenwochen. Neben unserer Reputation mag das wohl auch daran liegen, das wir bisher relativ gut durch die Krise gekommen sind. Wir sitzen, auch wenn es zwischenzeitlich an den Märkten stark nach unten geht, mit unseren Kunden in einem Boot. So haben Bert Flossbach und ich fast unser ganzes privates Geldvermögen in unseren Fonds investiert. Die meisten unserer Mitarbeiter haben Fondsanteile gekauft oder Sparpläne laufen. Wir haben also alle das gleiche Interesse an einer vernünftigen Wertentwicklung.

PHILIPP VORNDRAN: Doch viele werden sich auch fragen, was ist mit der Positionierung der Fonds?

THOMAS LEHR: Wir sind mit einer defensiven Ausrichtung in den Abwärtssog reingelaufen. Das spiegelt sich auch in den vergleichsweise niedrigen Aktienquoten. Das war vor der Krise nur schwer zu verkaufen. Mich fragten damals viele Kunden, warum unsere Aktienquote nicht bei 90 Prozent liegt. Auch Warren Buffett wurde damals für seine hohe Kasse in den Medien scharf kritisiert.

PHILIPP VORNDRAN: Stimmt. Doch in der scheinbar so wunderbaren Börsenphase bis Mitte Februar sind die Kurse ziemlich hochgelaufen. Vor allem seit Jahresbeginn sah das kurzfristige Chancen-Risiko-Verhältnis aus unserer Sicht bei vielen Aktien nicht mehr so gut aus, so dass wir taktische Anpassungen in den Portfolios vorgenommen haben. In der Bewegung nach unten sind wir dann noch skeptischer geworden und haben immer wieder abgesichert.

THOMAS LEHR: Manche sagen, es sei prozyklisch, in einem fallenden Markt vorsichtiger zu werden. Ich würde hingegen sagen, das ist pragmatisch und derzeit ein ganz wichtiger Vorteil von aktiv gemanagten Fonds gegenüber ETFs, also börsengehandelten Indexfonds. Gerade in kritischen Marktphasen können Portfoliomanager wie wir zeigen, was sie können. Das Chancen-Risiko-Verhältnis stellt sich immer wieder anders dar. Damit ändert sich auch immer wieder die Positionierung. Wir lernen derzeit jeden Tag hinzu und handeln entsprechend.

PHILIPP VORNDRAN: Es lohnt sich eben nicht, jetzt den fränkischen oder bergischen Sturkopf durchzusetzen, weil in zehn Jahren die Krise voraussichtlich wieder vorbei ist. Stattdessen fragen wir uns in solchen historischen Börsenphasen auch, was die anderen Marktteilnehmer machen werden; wer beispielsweise Liquidität brauchen wird und deshalb zu Abverkäufen gezwungen wird. Aktuell ist es noch besser, sich defensiv zu positionieren – auch wenn das sicherlich nur eine temporäre Position ist.

THOMAS LEHR: Ich wundere mich immer wieder, wenn Marktteilnehmer oder Analysten jetzt prophezeien, wann die Finanzmärkte über die nächsten Wochen welchen Indexstand erreichen, um zu erläutern, was sie dann tun werden. Solche Prognosen sind nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen – schon alleine, weil sie mit dem Wissen von heute erstellt werden und wir erleben doch gerade alle, dass wir von Tag zu Tag dazulernen. Wir folgen daher keinem Algorithmus. Aber natürlich haben wir einen klar definierten Plan, eine Anlagephilosophie. Die ergibt sich schlicht aus dem Flossbach von Storch-Pentagramm und unserem Anlageweltbild. Taktische Entscheidungen sind deswegen nicht vollkommen unnütz, müssen aber mit dem notwendigen Pragmatismus getroffen werden. Und vor allem sollte man dabei die langfristige Strategie nie aus den Augen zu verlieren.

PHILIPP VORNDRAN: Dabei ist es ein Vorteil, dass wir seit Wochen nahezu täglich mit Shenwei Li, unserer Analystin in Shanghai, und mit Walter Sperb, unserem Kapitalmarktstrategen in Mailand, in Kontakt zu stehen. So konnten wir früh ein Gefühl für die Massnahmen entwickeln, mit denen Regierungen versuchen, die Pandemie einzudämmen. Es ist wichtig, mögliche Folgen rechtzeitig abzuschätzen. Wenn der Höhepunkt der staatlichen und geldpolitischen Maßnahmen erreicht ist, wird der Markt voraussichtlich nicht mehr so „bearish“, also pessimistisch, sein.

THOMAS LEHR: Es gilt jetzt also jeden Tag, die Chancen, die langfristig entstehen, gegen die kurzfristigen Risiken abzuwägen. Denn viele Anleger sind deutlich weniger geduldig, als wir, die auf Sicht von fünf bis sieben Jahren denken. Und so hört man derzeit zwar häufig die drei wahren Sätze: „Timing ist nicht möglich“, „Man muss langfristig denken“ oder „Den tiefsten Punkt erwischt man beim Einstieg nie“. Doch fast immer schließt sich daran die Frage an: „Aber was glauben Sie denn, wo es hingeht?“ Doch das weiss – zumindest kurzfristig – niemand.

PHILIPP VORNDRAN: Langfristig entstehen aber Chancen, und das nicht nur auf der Aktienseite. Unser Anleihen -Fondsmanager Frank Lipowski sieht, dass sich derzeit ein ganzes Füllhorn von Möglichkeiten auftut. Ähnliches könnte es unseres Erachtens auch bei Wandelanleihen geben. Für ein Anlageinstrument wie unsere Multi-Asset-Portfolios, die auf alle handelbaren Anlageklassen setzen können, entwickeln sich aktuell eine Vielzahl spannender Möglichkeiten. Zudem setzen wir wie schon seit Jahren auf Unternehmen, die wie Stehaufmännchen genug Potenzial haben, um nach einem Sturm einfach wieder aufzustehen. An solchen Qualitätsunternehmen möchten wir beteiligt sein, mit Obligationen oder Aktien; je nach dem, was attraktiver ist. Auch unsere Kasse hat sich bewährt. Sie sicherte uns die notwendige Flexibilität, um abzusichern und Chancen zu nutzen.

THOMAS LEHR: Nicht zu vergessen: Gold bleibt unsere Feuerversicherung in einem immer fragileren Finanzsystem. Seit vielen Jahren machen wir uns Gedanken über langfristiges Investieren, dazu gehören auch Krisen. In solchen Zeiten haben wir das Flossbach von Storch-Pentagramm entwickelt, das sich im Firmenlogo wiederfindet und unsere Anlagephilosophie beschreibt.

KURT VON STORCH: Die Grundlagen unserer Anlagephilosophie entstanden in den Jahren 2000 bis 2003. Einiges an der aktuellen Situation erinnert mich an diese Zeit. Damals war nach einer Phase der Euphorie zuerst die Technologieblase geplatzt, zwei Jahre später kam der deutsche Aktienindex Dax unter die Räder. In dieser Zeit verlor dieser Index fast 70 Prozent. Unter dem Eindruck hoher Verluste an den Aktienmärkten entstand unsere Strategie. Ihr Ziel war (und ist), die Kaufkraft von Vermögen auf mittlere bis lange Sicht auch in Krisenzeiten zu erhalten. Basis dafür ist unser Flossbach von Storch-Pentagramm, fünf Leitlinien, die wir bei jeder Anlageentscheidung berücksichtigen. In den folgenden Jahren hat sich unsere Strategie bewährt, vor allem half sie uns, die Finanzkrise 2008/2009 relativ gut zu überstehen. Letztlich geht es immer darum in Abwärtsphasen Verluste zu begrenzen, aber in Aufwärtsbewegungen wieder zu profitieren. Unser Pentagramm beruhigt mich auch jetzt.

THOMAS LEHR: Beruhigung können derzeit auch unsere Anleger vertragen. Kannst Du das Flossbach von Storch-Pentagramm kurz erläutern?

KURT VON STORCH: Obwohl wir einige schwarze Börsentage hinter uns haben, bin ich zuversichtlich: Denn unsere Portfolios sind diversifiziert, haben also eine sinnvolle Streuung der Anlagen. Und vor allem haben wir in Qualitätstitel investiert. Wir haben keine Unternehmen mit hohen Schulden oder Pensionslasten in Kundendepots. Die Geschäftsmodelle in unseren Portfolios, haben aller Voraussicht nach auch in schwierigen Situationen Bestand. Wir haben rechtzeitig für eine ausreichende Kassenposition gesorgt, um immer wieder flexibel reagieren zu können. Wir achten zudem stets auf attraktive Chance-Risiko-Profile der Anlagen. Deshalb sind wir mit einer defensiven Ausrichtung in die Krise hineingegangen. Das Chancen-Risiko-Profil hat sich angesichts der hohen Kursverluste an den Märkten zuletzt natürlich wieder verbessert. Die Kombination dieser fünf Punkte setzen wir seit Jahren in unserer täglichen Arbeit um. Das hat uns in früheren Krisen sehr geholfen, so dass ich glaube, wir können auch jetzt zuversichtlich sein.

PHILIPP VORNDRAN: Ich halte fest: Wir agieren als Firma und in den Fonds pragmatisch, bleiben aber unserer Anlage-Philosophie treu. Auch diese Krise wird eines Tages vorbei sein und wir alle werden in zehn Jahren über sie reden, wie wir heute über die Finanzkrise sprechen. Uns steht eine anspruchsvolle Zeit bevor, die uns allen noch einiges abverlangen wird. Doch wir werden die Lage meistern und alles tun, damit unsere Kunden auch in Zukunft ihre finanziellen Ziele erreichen können.

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