16.09.2020 - Flossbach von Storch

Schützen Aktien vor Inflation?


Schützen Aktien vor Inflation?
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Langfristig könnte die Inflation steigen, erwartet Kai Lehmann, Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute. Aktien können beim Werterhalt des Vermögens eine wichtige Rolle spielen.

 

Herr Lehmann, in der Corona-Krise legen Staaten milliardenschwere Hilfsprogramme auf und die Notenbanken fluten die Märkte mit Geld. Zieht die Inflation bald wieder an?

Kai Lehmann: Die Geldmengen sind in den grossen Währungsräumen durch die Hilfsmassnahmen bereits deutlich gewachsen. In den USA wuchsen die im Umlauf befindliche Bargeldmenge und die Sichteinlagen seit Jahresbeginn um 33,5 Prozent. Den Lehrbüchern folgend müsste dies früher oder später zu steigender Inflation führen.

Warum ist das so?

Die reale Güterproduktion kann – auch aufgrund des Lockdowns – mit diesem enormen Geldmengenwachstum längst nicht mithalten. Die Preise für Waren und Dienstleistungen müssten also steigen, zumindest aus Sicht eines Volkswirtes.

Bisher zogen die Verbraucherpreise kaum an. Im Euroraum ist die Inflation zeitweise sogar leicht ins Negative gerutscht.

Das ist richtig und könnte an den Unsicherheiten infolge der Corona Krise liegen. Verbraucher und Unternehmen halten sich mit Käufen noch zurück. Daher sind zwar in Deutschland nicht die Verbraucher-, sondern die Vermögenspreise gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich Vermögenswerte im Durchschnitt um 4,3 Prozent jährlich verteuert. Denken sie nur an das Allzeithoch bei Gold und Immobilienpreisen, klassische Indikatoren für ein schwindende Hoffnung auf eine harte Währung. Mittel- bis langfristig halten wir es für wahrscheinlich, dass auch die Verbraucherpreise vom massiven Geldüberhang erfasst werden.

Angenommen, die Verbraucherpreisinflation würde in ein paar Jahren ein ähnlich hohes Niveau erreichen wie die Vermögenspreisinflation heute. Können Aktien das Vermögen gegen Wertverluste schützen?

Wir haben den Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Aktienmärkte und der Inflation näher untersucht. Für die Jahre 1965 bis 2019 ergab sich – gemessen am Dax – eine durchschnittliche, nominale Wertentwicklung des deutschen Aktienmarkts (inklusive Dividenden) von 9,0 Prozent bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,6 Prozent. Die reale Rendite lag also im Mittel bei 6,4 Prozent. Das klingt erst einmal attraktiv, doch sind die Schwankungen enorm. Daher haben wir die Aktienrenditen nach der Höhe der jeweiligen Inflationsrate in drei Cluster aufgeteilt.

Und das Ergebnis?

Es zeigte sich ein negativer Zusammenhang von Aktienmarktrendite und Inflationsrate. Bei wenig Inflation sind die Aktienmarktrenditen also tendenziell höher. Bei Inflationsraten von mehr als vier Prozent ergaben sich in der Vergangenheit allerdings auch negative Realrenditen.

Das würde ja bedeuten, Aktien können in hochinflationären Phasen Vermögen nicht schützen?

Genau. Empirisch gesehen bleiben Aktien aber trotzdem eine attraktive Anlageklasse in einem inflationären Umfeld. Denn immerhin erzielten sie in der Vergangenheit bei einer Inflation von bis zu vier Prozent positive Realrenditen. Ihre Wertentwicklung war in einem Umfeld mit niedriger Inflation aber noch besser. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich übrigens auch auf dem US-Markt. Anleger sollten sich vor allem den Grund dafür anschauen, warum Aktien der Werterhaltungsfunktion bei mehr als vier Prozent Inflation nicht gerecht wurden.

Und der wäre?

Der Grund liegt im Zusammenspiel von Inflation und Zinsniveau. So ging in früheren Jahren mit einem Anstieg der Inflation in der Regel ein Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus einher, da die Zentralbanken versuchten, die Teuerungsraten über Leitzinserhöhungen zu bremsen. Es kommt also auf den Zins an.

Und steigende Zinsen haben wir im Euroraum schon lange nicht gesehen.  

Genau. Aber Aktienpreise und Zinsniveau hängen zusammen: Hohe Zinsen führen dazu, dass sich die Gegenwartswerte künftiger Zahlungsströme eines Unternehmens und somit der Aktienkurs verringern. Bei einem niedrigen Zinsniveau werden hingegen künftige Erträge als wertvoller eingestuft.

Es ist also eine entscheidende Frage, wie die Notenbanken reagieren werden, wenn die Inflationsraten steigen, sagen wir über die kritische Marke von zwei Prozent?

Ja. Wir haben allerdings ein völlig anderes Umfeld als in den vergangenen Jahrzehnten. Letztlich dürfte die immer weiter ausufernde Schuldenlast der Staaten den Nominalzins auf absehbare Zeit nahe der Nulllinie halten. Und das wäre für Aktien ein vielversprechendes Umfeld!

Dr. Kai Lehmann arbeitet als Senior Research Analyst am Flossbach von Storch Research Institute in Köln.

Die Analyse zur Inflation und Aktienmarkt finden Sie auf der Internetseite des Flossbach von Storch Research Institute.

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