Zeit für eine Romanze

11.05.2018 - Philipp Vorndran

GESELLSCHAFT


Philipp Vorndran

Fünf Tage noch bis zum Ende unserer grossen Reise. Verbracht haben wir sie in einer beeindruckenden, inspirierenden und facettenreichen Stadt – in einem völlig verschuldeten Land.

Anflug Tokyo Haneda, neben Narita einer der zwei internationalen Flughäfen der Stadt. Zu unserer Linken der Mount Fuji, zur Rechten die aufgehende Sonne. Einen besseren Anfang hätte unser Tokio-Aufenthalt nicht nehmen können. Wie der Beginn so waren die folgenden Tage; Tokio meinte es gut mit Familie Vorndran. In allen Bereichen. Wunderbares Frühlingswetter, 20 bis 27 Grad Celsius.

Bereits aus der Vogelperspektive offenbarte uns die Stadt ihr Gesicht: Eine Landschaft wie aus dem Modelleisenbahn-Katalog – sauber und aufgeräumt, viel Wasser, Berge, Parks und Tempelanlagen. Die Infrastruktur vom allerbesten. 

Warum in aller Welt verbringen hier so wenige Deutsche ihren Urlaub!? Angst vor der Sprachbarriere? Ist unbegründet, die Verständigung klappt auch mit Händen und Füssen. Japaner sind sehr geduldig mit Touristen – und hilfsbereit. Sie hätten zweifelsohne weit mehr Besucher verdient. Die Chinesen haben das mittlerweile verstanden …

Blitzschnell und effizient

Einreise, Gepäckausgabe, Zugfahrt in die Stadt mit der Tokyo Monorail, alles funktionierte blitzschnell und effizient. Die Ticketschalter waren leicht zu bedienen, in insgesamt neun Sprachen. Um sieben Uhr kamen wir am Hotel an. Etwas früh, die Zimmer erwartungsgemäss noch nicht bezugsfertig – kein Problem. Am Business Centre hatten wir die Möglichkeit, uns frisch zu machen und Windeln zu wechseln. Für unsere Tochter ein spannender Augenblick. Japanische Toiletten sind ein geradezu magischer Ort aus Kinderperspektive. Hochmodern, mit allerlei Technik. Es föhnt und zischt – unentwegt. Auch die Gebräuche sind besonders, aber schauen Sie doch selbst:

Japanese Toilet Culture and Manners

Unser Hotel trug nicht nur einen imperialen Namen, sondern war auch in der Nähe des Kaiserpalastes gelegen. Unser erster Erkundungsspaziergang führte uns deshalb an die imposanten Mauern des Kokyo, der abgeschotteten Welt des Tenno, des himmlischen Herrschers. Es heisst, dieser Flecken Erde soll Ende der 1980er-Jahre einmal mehr wert gewesen sein als alle Grundstücke Kaliforniens zusammen.

Die 150-Milliarden-Euro-Immobilie

Ganz gleich, ob die Geschichte wahr ist oder falsch, sie zeigt, wie irrsinnig hoch japanische Immobilien in jenen Tagen bewertet waren – und nicht nur die Aktien. Heute wird der Wert des Geländes auf ca. 150 Milliarden Euro taxiert. In Berlin oder München bekämen Sie dafür immer noch das ein oder andere Stadtviertel.

Da ich bereits mehrfach in Tokio war, warnte ich meine beiden Begleiterinnen vor allzu grossen Erwartungen. Palast, das erschien mir schon immer eine recht hochtrabende Bezeichnung zu sein für das insgesamt sehr schlichte Gebäude. Zumal wir auch davon nicht allzu viel sehen würden; eine Besichtigung war nicht möglich.

Als wir uns dem Kokyo näherten, sahen wir viele Ordnungskräfte und lange Schlangen wartender Japanern. Worauf sie warteten, wussten wir nicht. Wir beobachteten, wie ein japanisches Paar ihren Kinderwagen unbehelligt an der Schlange vorbeischob. Die Schranken öffneten sich. Was die können, können wir auch, dachten wir uns und schlenderten ebenfalls mit betont sicherem Lächeln an der Schlange vorbei. „Domo“ und „Arigatou Gozaimasu“ – Danke auf Japanisch. Keine bösen Blicke. Noch ein Sicherheitscheck, und wir standen mitten im kaiserlichen Garten. Wir fanden später heraus, dass dieser Tag einer von insgesamt fünf im ganzen Jahr war, an denen der Garten für Besucher geöffnet war. Glück gehabt! Allein waren wir zwar nicht, aber das tat dem beeindruckenden Bild, das sich uns bot, keinen Abbruch. Die japanische Gartenkultur sucht ihresgleichen!  

Nach dem Besuch des Kaiserpalasts brauchten wir etwas Leckeres zu Essen. Auf die japanische Küche hatten wir uns besonders gefreut – und wir wurden nicht enttäuscht. Jeden Tag etwas anderes. Regionale Spezialitäten. Vom Lokal, in dem es nur Zunge gab, über die verschiedensten Ramen-Suppen und Yakitori. Ob rustikales oder vornehmes Restaurant, das jüngste Mitglied unserer kleinen Reisegruppe sorgte stets dafür, dass die Bedienung Verständnis hatte, wenn die Bestellung mal wieder etwas länger dauerte. Laut und fröhlich ging es zu. Der Kontakt zu unseren Tischnachbarn war so schnell hergestellt.

Dass japanisches Bier nicht nur exzellent schmeckt, sondern im Gegensatz zum australischen Gerstensaft auch erschwinglich ist, verdient hier besondere Erwähnung. Überhaupt ist der Restaurantbesuch in Japan sehr preiswert. Rechnen Sie mit 75 Prozent dessen, was Sie in Deutschland für eine vergleichbare Mahlzeit ausgeben müssten.

Renaissance der Höflichkeit

Trinkgeld gibt es in Japan sowieso nicht – wie in den meisten ostasiatischen Ländern auch nicht. Das Rückgeld kommt bis auf den letzten Alu-Yen zurück. Japan ist aus Sicht eines Reisenden ohnehin nicht teurer als Deutschland; ich würde sogar behaupten, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis in Japan deutlich besser ist, wenn man das ganze Paket betrachtet: Qualität, Sauberkeit, Verlässlichkeit und Freundlichkeit.

Japaner sind unvorstellbar höflich. 1000mal „Danke“ und „Bitte“, „nach Ihnen“ oder „kann ich Ihnen helfen?“. Für den Deutschen ist das (fast schon) zu viel; er ist es schlicht nicht gewöhnt. Warum ist das so? Wir haben uns jedenfalls fest vorgenommen, mit gutem Beispiel voranzugehen – die Renaissance der Höflichkeit in Deutschland. Machen Sie mit?

Tokio ist keine Stadt, wie wir sie aus Deutschland kennen, mit Stadtkern und Randbezirken. Tokio ist eine Metropolregion aus 15 Stadtteilen, die allesamt über Kern und Peripherie verfügen. Gesteigert wird das Ganze von der Region Tokyo Bay, zu der auch noch Yokohama, Kawasaki und Chiba gehören. Hier leben insgesamt 37 Millionen Menschen. Jede U-Bahnstation eröffnet dem Besucher eine neue Welt, die es zu entdecken gilt.

Ganz gleich, ob sie Shibuya besuchen, den hippen, lauten Stadtteil der jungen Leute; seine weltberühmte „Shibuya Crossing“ erinnert sehr an New York und den Times Square. Oder nur eine Station später auf Höhe des Meiji Schreins aussteigen, einem Hort der Ruhe und Besinnung. Tokio erfindet sich auf engstem Raum immer wieder neu.

Wer Luxus sucht, findet ihn in der Ginza. Ein Einkaufstempel neben dem anderen. Viele der japanischen Luxusgüterproduzenten, Shiseido beispielsweise, haben hier ihren Hauptsitz. Unsere morgendlichen Spaziergänge führten uns oft durch die Ginza. Dabei fielen uns stets die langen Warteschlangen auf, in denen meist junge Frauen standen. Tag für Tag. Schon gegen 8:00 Uhr. Dabei öffneten die Einkaufszentren nicht vor 10:00 Uhr. Die Stimmung der Wartenden war meist gelöst und überaus freundlich. Auf dem Boden waren Markierungen gezeichnet – um den ordnungsgemässen Ablauf des Schlangestehens zu gewährleisten. Uns hat das sehr verwundert. Warum tun die sowas?

Ein Geschenk des Himmels

Wir haben nachgefragt. Mit der Antwort hatten wir aber nicht gerechnet. Man stehe Schlange, damit man den Wert der neuen Tasche oder des Kleides auch wirklich zu schätzen wisse. Eine Mutter berichtete im Internet sogar, dass es bei Ihnen Familientradition sei, bei grösseren Anschaffungen für die Kinder (Fahrrad, Rucksack, usw.) lange vor der Geschäftsöffnung anzustehen, damit die Kinder sich auch an den mühsamen Prozess erinnern und sie so sorgfältiger mit den neuen Sachen umgehen. Andere behaupten, das Anstehen wäre ein Geschenk des Himmels, um im Tagesstress eine Phase der Ruhe zu finden. Oder eine Gelegenheit für eine romantische Begegnung. Andere Länder, andere Sitten. Mit Knappheit, wie wir sie aus dem Kommunismus kennen, hat die Warteschlange in Japan jedenfalls nichts zu tun.

Tokio ist eine magische Stadt. Wir hätten gewiss noch weitere Wochen dort verbringen können. Aber auch zwei Monate Vaterschaftsurlaub gehen irgendwann zu Ende – schneller als man hofft. Koffer packen und Sayonara sagen. Auf dem Rückflug wurde schon die nächste Reise geplant. Vielleicht Taiwan im Frühling 2019 ...

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