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Bonds in the Spotlight
6 Minuten

„Ein Regimewechsel hin zur Stabilität“

- Redaktion Flossbach von Storch

Die grösste Notenbank der Welt bekommt einen neuen Präsidenten. Professor Dr. Gunther Schnabl über die politischen und monetären Konsequenzen des Wechsels an der Spitze der Fed.

Herr Professor Schnabl, Kevin Warsh wird der neue Präsident der US-Notenbank Federal Reserve. Was ist bislang über ihn bekannt?

Warsh bringt einige Erfahrung mit. Er war bereits zwischen 2006 und 2011 im Board of Governors der Fed, damals hat ihn der Republikanische Präsident George Bush ins Amt gebracht. Er könnte positive Impulse setzen.

Welche könnten das sein?

Er gilt bislang weniger als Taube, sondern eher als Falke – also als Befürworter von Geldwertstabilität. Warsh hat die quantitative Lockerung der Fed einmal als „Robin Hood mit umgekehrten Vorzeichen“ bezeichnet. Zumindest bislang lehnt er die Finanzierung von Staatsausgaben durch die Zentralbank ab. Er forderte mehrfach einen Regimewechsel in der seit der Jahrtausendwende sehr expansiven Geldpolitik.

Was würde das konkret bedeuten?

„Back to the roots“ – die Fed solle laut Warsh ihre Bilanz verkürzen und weder Finanz- noch Wirtschaftspolitik betreiben. Das deckt sich stark mit der Vorstellung zur Neuausrichtung der Geldpolitik von Finanzminister Scott Bessent, der eine Rückbesinnung der Fed auf ihre Kernaufgaben Preisstabilität und Wachstum fordert.

Die geldpolitischen Vorstellungen der Kandidaten für den Fed-Vorsitz waren sehr unterschiedlich.

Christopher Waller stand als langjähriger Gouverneur der Fed für die bisherige Ausrichtung der Geldpolitik der Fed, die auch in grossem Umfang Vermögenswerte gekauft hat. Gouverneurin Michelle Bowman ist stärker auf Bankenaufsicht ausgerichtet und bezüglich der Geldpolitik weniger profiliert. Rick Rieder dürfte als BlackRock-Investmentbanker für eine expansive Geldpolitik für die Stabilisierung der Finanzmärkte gestanden haben. Kevin Hassett, Vorsitzender des Council of Economic Advisers, galt als enger Trump-Vertrauter ohne geldpolitische Expertise. Mit Kevin Warsh hat nun der scheinbar grösste Falke das Rennen gemacht.

Das dürfte Donald Trumps ökonomischen Zielen diametral widersprechen.

Zumindest auf den ersten Blick. Der Präsident wird ja nicht müde, lautstark Zinssenkungen zu fordern...

Wie lässt sich dieser Widerspruch auflösen?

Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Sein Kandidat muss noch vom Senat bestätigt werden. Letztlich ist Geldpolitik in der Praxis immer auch Politik. Warsh könnte sich etwa aus Loyalität zu Donald Trump zur Taube mausern. Da passt es auch gut ins Bild, dass er Trumps Forderungen nach Zinssenkungen jüngst für durchaus berechtigt bezeichnet hat. Warsh betonte in diesem Zusammenhang, dass ein höheres Produktivitätswachstum durch künstliche Intelligenz die Inflation dämpfen kann. Nichtsdestotrotz steht die Frage im Raum, ob eine allzu taubenhafte Geldpolitik seiner Glaubwürdigkeit schaden würde. Man darf nicht vergessen: Das Kapital jedes Notenbankchefs ist immer seine gute Reputation. Nimmt sie Schaden, leidet auch die Währung – in diesem Fall der Dollar als Weltleitwährung.

Und wenn er sich treu bleibt?

Vielleicht geht’s ja einmal in die richtige Richtung. Wenn die republikanischen Entscheidungsträger hinter dem Nebel der umstrittenen Äusserungen von Donald Trump eine auf Dauer stabilitätsorientiertere Geldpolitik anstreben. Dafür sprechen zumindest eine entsprechende Positionierung von Scott Bessent, das Wahlprogramm der Republikaner sowie die Unruhe in der Wählerschaft von Trump über die hohen Lebensmittel- und Häuserpreise.

Also nur viel Lärm um nichts?

Einiges spricht also dafür, dass hinter der disruptiven Zinssenkungsrhetorik Donald Trumps eine strategische Neujustierung der Geldpolitik steht. Unter keinem Fed-Präsidenten ist die Bilanz des Federal Reserve Systems so stark und so dauerhaft gewachsen, wie unter Jerome Powell. Das war teilweise aussergewöhnlichen Umständen wie der Coronakrise geschuldet, ging vielleicht aber auch zu weit. Die Kombination aus anhaltendem Inflationsdruck, Unzufriedenheit über hohe Lebenshaltungskosten und dem erklärten Ziel, die internationale Rolle des Dollars zu sichern, lässt die Rückkehr zu einer dauerhaft expansiven Geldpolitik politisch kaum mehr tragfähig erscheinen. Ein starkes Amerika ohne starken Dollar gibt es nicht. Insofern könnte Kevin Warsh für einen Regimewechsel hin zu mehr Stabilitätsorientierung stehen, wobei er zugleich mehr als zum Beispiel Kevin Hassett als politisch anschlussfähig erscheint. Er könnte als neuer Präsident starke Signale bezüglich sinkender Inflation und eines starken Dollars an die US-Wähler und die internationalen Finanzmärkte senden. Das wäre ein cleverer Schachzug der republikanischen Partei, auch über das Wahljahr 2026 hinaus.

Herr Professor Schnabl, wir danken für das Gespräch.

Professor Dr. Gunther Schnabl ist Direktor des Flossbach von Storch Research Institute.

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